Auszug aus der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum 2002

Die Gründerjahre

Brief FF SchwanewedeBis um die Jahrhundertwende gab es in Schwanewede keinen organisierten Brandschutz. Die Brandbekämpfung erfolgte über Nachbarschaftshilfe und beschränkte sich oft darauf, die Ausbreitung eines Brandes zu verhindern. Eimerketten bis zur nächsten Wasserstelle wurden gebildet, um ein Feuer zu bekämpfen. Das dies meist nur ein unzulängliches Verfahren war, mag einleuchten. Immerhin ist überliefert, dass bis zum 1. Weltkrieg jedem Hauseigentümer zur Pflicht gemacht wurde, am Haus leicht zugänglich einen verzinkten Eimer und einen Einreißhaken bereit zu halten.
Nach mündlichen Überlieferungen gründeten am 1. April 1902 Schwaneweder Bürger die Feuerwehr. Schriftliche Unterlagen gibt es jedoch erst ab dem 26. Juni 1904. Man beschäftigte sich mit Statuten und Wahlen. So blieben Hermann Marquardt weiterhin Brandmeister und Hinrich Sonnenburg Stellvertreter. Neu gewählt wurden Zug- und Rohrführer. 5 Kameraden erhielten die Aufgabe des Signalblasens. Am 4. Februar 1905 beschloss man dann endlich die neuen Statuten. Bis 1928 hieß die Wehr Freiwillige Feuerwehr Schwanewede und Schukamp, danach nur noch Freiwillige Feuerwehr Schwanewede.
Um den Feuerschutz zu verbessern, bestellte die Gemeinde Schwanewede am 5. Juni 1903 bei der Maschinenfabrik H. Dewers in Rönnebeck eine zweirädrige Saug- und Druck-Abprotzspritze. Die Spritze mit Schläuchen, zwei Strahlrohren, fünf Mundstücken, Schlauchwagen und weiterem Zubehör kostete 1.380 Goldmark. Sie erreichte eine Strahlweite von 37 Meter.
Aufgabe der ersten am Spritzenhaus eintreffenden Männer war es, die Spritze an den Brandherd zu schaffen. Dies erfolgte in der Regel mit Gespannen. Den Protokollen ist zu entnehmen, dass für geleistete Spanndienste 2 bzw. 1,50 M gezahlt wurden.

Spritze Spritze im Einsatz Löschen früher

Mit der neuen Spritze hatte man bald erste Erfahrungen gesammelt. Weil sie ziemlich schwergängig war, sollte bei Schadenfeuer jeder gesunde Mann unter 50 Jahre sich auf das Signal der Feuerwehr hin unverzüglich auf den Brandplatz begeben und sich der Feuerwehr zur Verfügung stellen. Die Spritze ist bis zum 2. Weltkrieg im Einsatz gewesen und funktioniert nach einer gründlichen Überholung durch die Bundeswehr im Jahre 1977 auch heute noch.
Am 15. Juni 1906 beauftragte die Versammlung den Brandmeister, Spaten, Beleuchtung und Handlampen von der Gemeinde erwerben zu lassen. Auch sollte endlich ein Trockenturm für Schläuche erbaut werden. Bei der Spritze fehlten Tauholz und Stränge. Die Gemeinde sollte ersucht werden, für genügend Wasserstellen zu sorgen, da nur eine kleine Zahl der Gebäude „bestrichen“ werden konnte. Bezüglich der Wasserstellen war es wünschenswert, auf dem Koppelsberg und auf dem Vorberg „Zisternen“ zu bauen. Auf dem Brink war der Burggraben und auf dem Kerkhop ebenfalls die Wasserstelle zu reinigen. Am 14.05.1908 erfolgte der einstimmige Beschluss, dem Feuerwehrverband Blumenthal beizutreten. 1916 existierte eine Jugendfeuerwehr. Sie wurde bei Übungen und Schadenfeuern mit eingesetzt.
Am 1. Januar 1905 fand das erste Stiftungsfest im Heissenbüttelschen Saal (heute Landhaus Schwanewede) statt. Material für Theateraufführungen und natürlich eine Musik wurden besorgt. Eintritt für Mitglieder 1 M, Nichtmitglieder 1,50 M, Nichtbürger 50 Pf, Damen 30 Pf. Dazu veranstaltete man ein Schießen. Der Neujahrsball hat sich bis in die 60er Jahre gehalten. Beteiligt hat sich die Feuerwehr auch immer wieder an Feuerwehrbällen in der Umgebung.

Der 2. Weltkrieg

Das „Dritte Reich“ brachte für die Feuerwehr viele grundlegende Veränderungen. So wurde der Name in Feuerlöschpolizei umbenannt. Auf militärisches Auftreten legte man großen Wert. Stolz wurde von einem 4. Platz beim Preisexerzieren des Landkreises Osterholz in Celle berichtet. 1940 ist alles Vereinsmäßige in der Feuerwehr untersagt worden. Für Nichterscheinen zum Dienst wurden bis 20 RM Strafe angedroht. Auf der ersten Versammlung am 3.3.46 nach dem Krieg protokollierte man, das alles Militärische wegfalle.
Die Gemeinde beschloss 1939, 3 Zisternen zu bauen und eine Kraftspritze anzuschaffen. 1941 wurde eine Motorspritze für ca. 3.000 RM geliefert. 1942 gab es Verstärkung durch einen Mannschaftswagen. Er wurde in der Genossenschaftsmolkerei (heute Reisedienst von Rahden) untergestellt. Bis dahin wurden die Gerätschaften im 1. Spritzenhaus am Damm untergebracht.

LF 15 mit Brandmeister Rohlfs
Der Brandmeister der Wehr, Hermann Rohlfs, wurde zu Beginn des Krieges ebenso wie viele andere Kameraden zum Kriegsdienst einberufen.
Alle 14 Tage war Übungsdienst mit der Pflichtfeuerwehr angesagt. Eine Jugendfeuerwehr bildete man aus. Eine Frauengruppe unterstützte die Wehr. In den Protokollen sind Einsätze in Hamburg und Bremen verzeichnet. Nachdem sich die Lage begann zu normalisieren, fand am 1.1.1947 der traditionelle Neujahrsball wieder statt.

Der Aufschwung

Die Jahre nach dem Krieg waren geprägt vom Bevölkerungszuwachs und vom Aufschwung in Schwanewede. An der heutigen Ostlandstraße wurde 1947 eine Baracke als Garage fertig gestellt. Die Wehr brachte dort das Löschfahrzeug LF 15, das LF 8 und eine Tragkraftspritze TS 8 sowie Zubehör wie Schläuche usw. unter. Nach dem Verkauf dieser Garage musste unbedingt Ersatz her. 1966 erfolgte der Umzug in das neue Gerätehaus am Lycker Weg.
1961 erhielt die Wehr das heute noch vorhandene Tanklöschfahrzeug TLF 8 (Oma) mit 1.800 Liter Wassertank und Allradantrieb auf einem Borgward-Fahrgestell. 1965 konnte ein neues LF 8 in Betrieb genommen werden. Um lange Wege zu überbrücken, gab es bald einen Schlauchwagen. 1964 folgten die ersten Atemschutzgeräte. Sprechfunk führte der Landkreis im Jahre 1967 ein. Es gab die ersten Funkgeräte unter dem Funkrufnamen Florian Osterholz. Im gleichen Jahr erhielt die Wehr eine Anhängeleiter über 18 Meter.
Die Gemeinde stellte 1951 auf dem Brink einen Bohrbrunnen fertig, ein Jahr später auch auf dem Flachsberg, kurz danach folgte eine Zisterne auf der Klippenei. An die neue Wasserleitung wurden 1955 die ersten Hydranten an der alten Molkerei und der Dammschule angeschlossen.
Die neue Kaserne brachte 1958 einen weiteren Einsatzbereich. 1965 sorgten vier Sirenen für die Alarmierung. 1973 wurde die Alarmierung über die Feuerwehrtechnische Zentrale (FTZ) in Pennigbüttel eingeführt und damit erheblich verbessert. In diese Zeit fallen die Großbrände Siemer, Brau und Ellmer; zur nachbarlichen Löschhilfe rückte man nach Brundorf und Meyenburg aus.
Die Schwaneweder Wehrmänner beteiligten sich immer wieder an Festlichkeiten in der Gemeinde. Besonders zu erwähnen ist seit 1949 die Beteiligung am Erntefest. Aber auch eigene Veranstaltungen kamen nie zu kurz. Der traditionelle Neujahrsball wurde bis 1960 gefeiert, auch heute wechseln Kohl- und Pinkelfahrt und gemütlicher Abend miteinander ab. Regelmäßig führten die Feuerwehrmänner mit ihren Frauen einen Sommerausflug durch. 1971 gab es das erste Heringsessen nach dem Krieg.

Wettbewerbe damals Ehemalige Gemeindewettbewerbe

Der erste Gerätewettkampf fand 1949 in der Heidesiedlung statt. Mit 2 Gruppen fuhr die Wehr im gleichen Jahr zum ersten Kreiswettkampf. Im nächsten Jahr nahm sie am Bezirkswettbewerb in Rotenburg teil und erreichte den 12. Platz. Regelmäßig beteiligte sich die Schwaneweder Wehr an Wettkämpfen. Seit 1960 gab es die ersten Grundausbildungslehrgänge in Schwanewede.
Ab 1949 regelte ein neues Feuerwehrgesetz die Grundlagen für die Feuerwehr. Die Wehr wählte ihren Gemeindebrandmeister für 6 Jahre. Die Gemeinde ernannte ihn dann zum Ehrenbeamten. 1957 erließ die Gemeinde eine Satzung. Das Kommando regelte die Grundsätze innerhalb der Wehr und löste damit den Ehrenrat ab.

Nach der Gebietsreform

Bei der Gebietsreform 1974 erhielt die Wehr den Namen Ortsfeuerwehr Schwanewede. Sie erhielt den Status einer Schwerpunktfeuerwehr. Aufgrund der Anforderungen hat die Gemeinde die Ausrüstung der Wehr immer weiter verbessert. 1979 beschaffte sie eine neue TS 8, 1983 ein neues LF 16, 1986 wegen der vielen Hilfeleistungen einen Rüstwagen RW 2, 1993 einen Einsatzleitwagen ELW und 1994 schließlich ein TLF 16 mit einer Hochdrucklöschanlage.
Auch die sonstigen Geräte erhöhten die Schlagkraft erheblich. Rettungsschere, Pressluftatmer, Vollschutzanzüge, Schiebleiter mögen stellvertretend stehen für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Wegen immer größerer Anforderungen und zusätzlicher Wehrmänner musste schließlich die Erweiterung des Feuerwehrhauses in Angriff genommen werden.
In den letzten 25 Jahren sind viele Großbrände und Einsätze unvergessen: 1975 Waldbrand Lüneburger Heide, 1976 Flugzeugabsturz Uthlede, seit 1976 Einsätze auf der A 27, 1981 2x Pizzeria-Brand und insbesondere 1986 Brand der Schützenhalle. 1991 wurden erstmals schwere Einsätze mit tödlich verletzten Personen protokolliert. 1997 gab es gleich zwei Lkw-Unfälle mit Gefahrgut. Im gleichen Jahr wurden bei einem Großbrand in Löhnhorst zwei Kameraden durch Blitzschlag verletzt.
Um die Einsatzbereitschaft zu üben, hat die Wehr ständig an den Gemeinde- und Kreiswettbewerben teilgenommen. Höhepunkte waren die Teilnahme am Bezirkswettbewerb in Westergellersen im Jahre 2000 sowie am Landesentscheid in Diepholz 2001.
Die Feierlichkeiten hatten bei der Wehr traditionsgemäß immer einen Stammplatz. Neben den Feiern in der Wehr konnte sie sich bei den Jahreshauptversammlungen des Dankes der Vertreter der Gemeindeverwaltung und des Ortsrates sicher sein, die die stete Teilnahme an vielen Veranstaltungen lobten.
Derzeit versehen über 50 Feuerwehrleute ihren Dienst zum Wohle der Bevölkerung von Schwanewede und umzu. Um jederzeit für die anstehenden Aufgaben gewappnet zu sein, bilden sich die Kameraden 2-mal im Monat und bei Bedarf auch häufiger auf Ortsebene weiter. Außerdem werden weiterführende Lehrgänge an der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Pennigbüttel sowie an den Landesfeuerwehrschulen Loy und Celle besucht.

   
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