Kurz nach 8 am Samstagmorgen. Einige Kameraden schlafen noch, einige sitzen beim Frühstück oder sind schon unterwegs. Plötzlich laufen die Sirenen, der Meldeempfänger zeigt: Kellerbrand / Rauch aus Kellerfenster im Dreienkamp. Nicht gut. Also rein in die Klamotten und ab zum Gerätehaus im Lycker Weg. Die Fahrzeuge füllen sich, es kann losgehen. Auf Anfahrt kommt über Funk die Rückmeldung: es sind zwei Leute in dem Haus vermisst. Spätestens jetzt wird es richtig ernst.

Die Atemschutzgeräteträger legen ihre Masken an. Im Einsatzleitwagen wird der Hydrantenplan aufgerufen, um an der Einsatzstelle gleich Zugriff auf Löschwasser zu haben. Aufgaben werden verteilt: Atemschutzüberwachung, Wasserversorgung, Verteiler setzen, Lösch- und Rettungsgerät vorbringen. Die Hinnebecker Wehr ist auch alarmiert, Rettungswagen und Notarzt in Anforderung. Soweit, so gut!

Im Dreienkamp sieht man schon die Rauchschwaden. Während die Mannschaft des ersten Fahrzeuges sich fertig macht zur Menschenrettung, erkundet der Einsatzleiter kurz das Gebäude und legt den Zugangsweg fest. Oben ist ein offenes Fenster – also Leiter ran und los. Mit rund 15 Kilo Ausrüstung und dem Gedanken, dass jetzt jede Sekunde zählt, geht der erste Trupp vor. Vor dem Haus geht es weiter: Weitere Atemschutzgeräteträger fertig machen, entsprechende Überwachung der Trupps vorbereiten. Straße sperren. Die Hinnebecker Kameraden kommen dazu – das ist gut, noch mehr Geräteträger, noch eine Wasserversorgung. Rettungswagen und Notarzt? Keine Spur. Also Versorgungsplatz einrichten. Mittlerweile sind zwei Trupps drinnen, sie hören Hilferufe.


Plötzlich kommt ein Mayday-Ruf aus dem Funkgerät. Irgendwas ist schiefgelaufen. Ein Kamerad, der Richtung Keller vorgehen sollte, ist auf der Treppe abgerutscht und hat sich am Fuß verletzt. Mist, das hat gerade noch gefehlt. Wo ist der Sicherheitstrupp? Ah, macht sich schon bereit. Auftrag: Kameraden aus dem Gebäude holen, und zwar zügig, denn laut Übersicht hätten sie sich spätestens jetzt auf den Rückweg machen müssen: die Luft wird knapp. Die Kameraden im Innenangriff haben längst verstanden: dies ist eine Übung. Der „Verletzte“ hat entsprechende Anweisungen vom Übungsleiter bekommen, sich unten an der Treppe hinzulegen. Draußen haben das noch längst nicht alle mitbekommen.
So geht es weiter: Wie weit ist die Personensuche? Brauchen wir noch eine Ortswehr, um mehr Atemschutz in Reserve zu haben? Mittlerweile sind 3 Rettungswagen und 2 Notärzte angefordert. Die lokalen Sanitätskräfte sind aber alle im Einsatz, bis die kommen, wird es noch eine Weile dauern.
Der Sicherheitstrupp erscheint mit dem verletzten Kameraden in der inzwischen geöffneten Eingangstür. Wieso steht der plötzlich auf? Jetzt atmen auch die letzten durch: eine Übung! Darauf soll mal einer kommen: Häufig erkennt man Übungen schon am Objekt, denn nur „aus Spaß“ rennt keiner mit Feuerwehrstiefeln und mit mit Wasser gefüllten Schläuchen in ein Wohnhaus. Dieses hier soll jedoch demnächst abgerissen werden. Der Ortsbrandmeister hat das mitbekommen und diese Übung möglich gemacht.


Warum so eine Übung? Im normalen Ausbildungsdienst trainiert man einzelne Handgriffe und Vorgehensweisen. Im Realeinsatz sind dann alle so eingebunden, dass keiner eine „Außensicht“ hat. Daher sollen alle Wehren regelmäßig vorbereitete Alarmübungen durchführen. Die Einsatzkräfte arbeiten ihre Aufgaben ab – das Vorbereitungsteam hat jedoch die Möglichkeit, das Ganze zu beobachten. So kann man deutlich erkennen, wo die Zusammenarbeit in der Mannschaft rund läuft. Aber auch Schwachstellen, die in den nächsten Ausbildungsabenden angegangen werden sollten, werden sichtbar.


Im Dreienkamp werden dann auch zwei Übungspuppen innerhalb der nächsten 5 Minuten nach draußen gebracht. Damit kann die Übung beendet werden. Alles wieder einräumen und zurück zum Gerätehaus. Fertig sind die Feuerwehrleute aber noch nicht: das benutzte Material muss überprüft, Geräte wieder einsatzbereit gemacht werden. Erst danach gibt es ein wohlverdientes Frühstück. Wieder ein Samstag, der für die Feuerwehr „draufging“. Wieder ein Vormittag, an dem man zwei Menschen gerettet hat. Zumindest in der Theorie. Und dem verletzten Kameraden geht’s ja auch gut. Hoffentlich finden sich immer genügend Leute, die im Ehrenamt bereit sind, dem Nächsten zu helfen!

 

 

   
© Feuerwehren Schwanewede 2011 - 2017