Als die übers Wochenende verreisten 17 Brandschützer aus Neuenkirchen in der Montagnacht gegen 1:00 Uhr wieder zurück im Heimatort waren, hatten sie aufregende und erfolgreiche Tage in der Oberpfalz hinter sich gebracht.

Der Kontakt entstand im letzten Jahr, als sich die Jugendfeuerwehr aus Schwandorf in der bayerischen Oberpfalz das norddeutsche Örtchen Neuenkirchen für ihr jährliches Zeltlager aussuchte. Harm Dreyer, vor vielen Jahren Mitglied der Ortsfeuerwehr Schwanewede und Betreuer der Jugendfeuerwehr, zog im Jahr 2000 nach Bayern und vor neun Jahren nach Schwandorf. Wie es berufene Feuerwehrmänner tun, trat er auch dort in die Feuerwehr ein und bewirkte schließlich den Kontakt zum Neuenkirchener Ortsbrandmeister Rolf-Dieter Thies. Und so wurden bereits im letzten Jahr die Weichen für den diesjährigen Besuch im Jubiläumsjahr der Schwandorfer gestellt.

Nach sorgfältiger Planung wurde beschlossen die Reise mit der Deutschen Bahn zu bestreiten. Wie man weiß, ist dies ja immer auch schon ein eigenes Abenteuer. Also setzten sich 17 Neuenkirchener Feuerwehrleute am Freitagmorgen mit leichtem Marschgepäck in Gang. Lediglich Privat- und Dienstkleidung wurde mitgenommen; alle 17 wurden vor Ort aus den Beständen der Feuerwehr Schwandorf mit Einsatzbekleidung versorgt. Eine Bleibe wurde in einem Zelt auf dem Gelände des THW-Ortsverbandes gefunden. Dort konnten die sanitären Einrichtungen genutzt werden. Aufgrund der herrschenden Temperaturen von weit über 30°C war dies auch nötig.

Nach Ankunft und Einrichtung, Essen und Einkleidung wurden bereits am Nachmittag die ersten Übungen zur Leistungsprüfung absolviert. Die Leistungsprüfungen „Die Gruppe im Löscheinsatz“ und „Die Gruppe im Hilfeleistungseinsatz“ waren bereits bei den ersten Planungen von den wettkampfbewährten Neuenkirchenern anvisiert worden um sich den Anforderungen eines anderen Bundeslandes zu stellen. Zu bemerken ist, dass keine persönlichen Erfahrungen eingebracht werden konnten und so die Richtlinien, die immerhin aus 108 bzw. 100 Seiten bestehen, gelernt werden mussten. Zur Unterstützung dienten lediglich ein paar Videos aus dem Internet.

Am Samstagvormittag musste alles Einstudierte klappen. Die Prüfungen begannen gegen 11:00 Uhr mitten auf dem Festplatz der Jubiläumswehr unter den Augen zahlreicher Besucher. Die Durchführung der Leistungsprüfung durch eine niedersächsische Feuerwehr diente als attraktiver Beitrag zum Showprogramm des „Blaulichttages“. So zeigten die in zwei Gruppen á 9 Mann aufgeteilten Neuenkirchener jeweils zwei Übungen. Der Löschangriff wurde mit der Wasserentnahme aus dem vorbeifließenden Fluss „Naab“ gespeist und mit drei C-Rohren vorgetragen. Für die technische Hilfeleistung wurde ein Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten Person simuliert. Dazu musste die Einsatzstelle fachgerecht abgesichert, der Brandschutz sichergestellt und der verletzte Fahrer betreut werden. Jegliches Gerät für die technische Rettung des Fahrers wurde bereitgelegt und die Anwendung von hydraulischer Schere und Spreizer schließlich simuliert. Im Anschluss an jede der Übungen mussten einige Einsatzkräfte noch zahlreiche Fragen beantworten oder wichtige Knoten vorführen.

Im Gegensatz zur hiesigen Bewertung der Wettbewerbe mit einem Punktesystem ist die bayerische Leistungsprüfung bestanden, wenn sie innerhalb der vorgegeben Zeit (4 Minuten) und mit weniger als 25 Fehlerpunkten abgeschlossen wurde.

Rolf-Dieter Thies ließ es sich nicht nehmen eine Prüfung als Gruppenführer im Löscheinsatz durchzuführen. Des Weiteren wurden die Gruppen von Andreas Jannusch (Löschangriff) sowie Bastian Schelling und Christoph Meyer (je technische Hilfeleistung) zum Erfolg geführt. Die Verleihung des Feuerwehrleistungsabzeichens in Bronze nahm im Anschluss der Abnahmeschiedsrichter Armin Jehl vor. Gleichzeitig übergab R.-D. Thies einige Gastgeschenke der Ortsfeuerwehr und der Gemeinde Schwanewede.

Des Weiteren zeigten Einheiten des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), den Johannitern, die Wasserwacht, die Bergrettung, eine Rettungshundestaffel, die Polizei und das Technische Hilfswerk am „Blaulichttag“ ihre Technik und boten Vorführungen. Ein besonderes Highlight boten auch die 30 ausgestellten Oldtimer-Feuerwehrfahrzeuge. Und natürlich wurde auch gefeiert. Am Freitag und Samstag feierten jeweils über 1500 Menschen friedlich und ausgelassen zu Stimmungsmusik der „Dorfrocker“ und „Gipfelstürmer“. Selbst das eigens für die Veranstaltung gebraute Bier glich sich durch seine rote Farbgebung an die Feuerwehr an.

Der Sonntag schloss für die Neuenkirchener mit der Teilnahme am Festzug. Dieser startete um 14:00 Uhr am Festplatz mit 116 Gruppen und insgesamt ca. 2500 Teilnehmern. Davon waren etwa 90% Feuerwehrangehörige. Der Festzug endete nach eineinhalb Stunden wieder mit dem Einmarsch in das Festzelt.

Nach dem Festzug wurde dann langsam die Rückreise angesteuert. Und tatsächlich hielt die Deutsche Bahn eine Überraschung parat. Durch den technischen Defekt eines ICE-Triebwagens in Kassel wurde der letzte Zug nach Farge verpasst. Aber auch die Kameradschaft in der Heimat funktioniert gut, denn nach ein paar Anrufen wurden die Rückreisenden von verbliebenen Brandschützern am Hauptbahnhof Bremen abgeholt.

Klar ist jetzt schon, dass die Schwandorfer Feuerwehr im nächsten Jahr wieder ihr Zeltlager in der Gemeinde Schwanewede aufschlagen wird.

Und Übrigens: Durch sorgfältige Planung wurde auch der Brandschutz in Neuenkirchen von den Verbliebenen über das gesamte Wochenende sichergestellt.

 

 Foto: Georg Tropper

 Foto: Georg Tropper

 Foto: Georg Tropper

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