Im Januar beginnt für die Feuerwehren in der Gemeinde Schwanewede eine neue Zeitrechnung. Dann werden ihre Mitglieder in Sachen Digitalfunk geschult.
Die Norddeutsche; 09.12.2015 von Ulf Buschmann

(Christian Kosak)Das Programm beginnt mit einer Gruppe der Wehr Schwanewede. Danach folgen die jeweiligen Ortsbrandmeister und ihre Stellvertreter. Weiter geht es für jeweils zwei Wehren mit jeweils zehn Kameraden. Dies erfuhren die Mitglieder des Schwaneweder Gemeindekommandos am Montagabend im Rahmen ihrer turnusmäßigen Sitzung von Gemeindebrandmeister Arendt Voller.

Es dürfte das umfangreichste Schulungsprogramme der vergangenen Jahre werden. Doch davon sind nicht nur die Schwaneweder betroffen. Die Umstellung von der analogen auf die digitale Einsatzkommunikation erfolgt seit einigen Jahren bundesweit. Das betrifft nicht etwa den Amateur- oder CB-, sondern ausschließlich den BOS-Funk. BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Hierzu zählen die Polizei, die Feuerwehren, Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz in den Bereichen Rettungsdienst und Katastrophenschutz sowie die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW). Sie alle haben bis zum Jahr 2021 Zeit für die Umstellung auf die neue Technik.

Die Kosten dafür teilen sich der Bund und die Länder. Wie viel Geld es am Ende wird, lasse sich zurzeit noch nicht sagen, teilt die zuständige Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben auf ihrer Internetseite mit. Und: „Der durch den Bund zu finanzierende Anteil beträgt für den Zeitraum von 2007 bis 2021 etwa 3,6 Milliarden Euro.“ Niedersachsen hat in den Aufbau des Netzes 290 Millionen Euro investiert. Die Gemeinde Schwanewede hat für das Projekt nach Auskunft von Voller rund 60.000 Euro veranschlagt. Für den gesamten Landkreis Osterholz rechnet er mit Kosten von etwa 500.000 Euro. Die Betriebskosten liegen bei rund 40 Millionen Euro pro Jahr. Davon entfallen 30 Prozent auf die Kommunen, die restlichen 70 Prozent teilen sich das Land und der Bund.

Schrittweise Umstellung im Landkreis

Laut einer Auskunft der niedersächsischen Landesregierung auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion vom Mai vergangenen Jahres „nutzen bereits heute mehr als 24.000 Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst den Digitalfunk im Alltag“. Weiter heißt es: „Dabei stellt die Gruppe der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr bereits mehr als die Hälfte der Nutzer, das sind rund 12 500.“ Und: „Wenngleich von hier aus über die jeweiligen Ausstattungsstände (beispielsweise Leitstellen und Fahrzeuge) in den Kommunen keine konkreten Aussagen getroffen werden können, wird langfristig damit gerechnet, dass bis zu 60 000 niedersächsische Anwender parallel über das auf dem Tetra-Standard basierende Netz kommunizieren.“

Die Umstellung im Landkreis Osterholz erfolgt schrittweise in den Gemeinden. So sind Lilienthal und Ritterhude bereits im digitalen Zeitalter angekommen. Derzeit sind die Hamberger dran, und 2016 folgen die Schwaneweder. Das bedeutet für die Fachleute viel Arbeit. Zum Beispiel für Jan Garbade, den Funkwart der Schwaneweder Wehr. Er und Voller beziffern die Anzahl der Kameraden, die die Lehrgangsbank drücken müssen, auf rund 200.

Dies geschieht in zwei Schritten: Zuerst sollen sich die Helfer im Bereich Fahrzeugfunk digital austauschen können. Beim Fahrzeugfunk kommunizieren die Einsatzkräfte in der Regel mit der Großleitstelle in Bremerhaven, die die Seestadt sowie die Landkreise Cuxhaven und Osterholz gemeinsam betreiben. Im zweiten Schritt der Fortbildung geht es um den Einsatzstellenfunk. Er dient dazu, dass sich die Kräfte vor Ort untereinander verständigen können, beispielsweise die einzelnen Löschtrupps und der Einsatzleiter.

„Unser digitales Netz ist aufgebaut wie ein Handynetz“, umreißt Funkwart Jan Garbade den groben Unterschied zur bestehenden Technik. Für ihn und seine Kameraden bietet es eine ganze Reihe von Vorteilen. Beispielsweise kann die Leitstelle über die neuen Geräte auch Daten versenden. Und es lassen sich gezielt bestimmte Einsatzkräfte ansprechen, etwa die Führungskräfte oder die vorgehenden Trupps. Beim analogen Funk kann und muss jeder Beteiligte alles mithören, weil es technisch nicht anders möglich ist. Zudem sei die Reichweite der digitalen Signale bedeutend größer.

Gemeindebrandmeister Voller erläutert einen weiteren Vorteil des Digitalfunks: „Nichtberechtigte können nicht mehr mithören.“ Bei der alten und noch im Einsatz befindliche Technik ist es mit einem sogenannten Scanner möglich, Kommandos und Lagebeurteilungen abzuhören. Obwohl es verboten ist, gibt es zahlreiche Menschen, die auf diese Weise das Einsatzgeschehen verfolgen.

Bis im Landkreis Osterholz und in Niedersachsen alle Feuerwehren und Organisationen mit digitalem Funk ausgerüstet sind, wird es jedoch noch eine ganze Zeit dauern. Um trotzdem miteinander kommunizieren zu können, sind alle vorhandenen Einsatzleitwagen wie das erst im September in Dienst gestellte Schwaneweder Fahrzeug für den sogenannten dualen Betrieb ausgerüstet. Sie beziehungsweise die Kameraden, die dort ihren Dienst verrichten, stellen die Verbindung zwischen beiden Systemen her – und das nicht nur zwischen den Wehren, sondern auch mit der Polizei. Sie funkt längst im digitalen Netz. Die Feuerwehren müssen laut Voller im nächsten Schritt Erfahrungen sammeln.

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